Fit für den Umgang mit Geld. Wie ein Start-up Jugendlichen finanzielle Grundkenntnisse vermittelt.
Shownotes
In der aktuellen Folge von "Sound of Finance" unterhalten sich Madita Pesch, Beraterin bei zeb, und Christian Binder über FinStep, ein Fintech-Startup, das Jugendlichen grundlegende Finanzkenntnisse vermittelt. Sie diskutieren die Bedeutung finanzieller Bildung, den Stand in Deutschland und die Motivation hinter der Gründung von FinStep. Christian erklärt, dass der Schwerpunkt ihres Angebots auf der finanziellen Grundlagenbildung für Jugendliche liegt, um sie im Umgang mit Geld fit zu machen. Er betont, wie wichtig es ist, früh mit finanzieller Bildung zu beginnen und die finanzielle Selbstbestimmtheit zu fördern. Ein zentrales Thema ist die App von FinStep, die Lernvideos, Gamification-Elemente und praktische Tools für Jugendliche bietet. Christian hebt die Rolle von Gamification hervor, um Jugendliche zu motivieren, sich mit Finanzthemen zu beschäftigen. Sie besprechen auch die Sicherheitsmaßnahmen der App, die sicherstellen sollen, dass Jugendliche geschützt sind. Christian erklärt, dass sich FinStep durch die zielgruppengerechte Kommunikation und die bankenunabhängige Plattform von anderen Anbietern abhebt. Er sieht bei traditionellen Finanzinstituten noch Verbesserungsbedarf, um Finanzkompetenz besser in die Kundenbeziehungen zu integrieren und Jugendliche besser zu erreichen. Er betont die Bedeutung von Authentizität und Kommunikation auf Augenhöhe im Umgang mit Jugendlichen. Für die Zukunft hat Christian die Vision, weiterhin Mehrwert für die Endnutzer zu schaffen und die Zusammenarbeit mit deutschen Banken als Partner auszubauen. Dabei steht die Weiterentwicklung der App im Fokus, um mehr Tools und Simulationen anzubieten, die die Nutzer in ihren finanziellen Entscheidungen unterstützen.
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Zeb Sound of Finance: Transkript Finstep
Sound of Finance diskutiert FinStep, ein Fintech-Startup für Jugendliche. Christian betont die App und die Kooperation mit Banken, mit einem Appell zur finanziellen Bildung.
[0:00] Music.
[0:07] Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sound of Finance, dem Podcast von ZEB, der Unternehmensberatung für Finanzdienstleister. Mein Name ist Madita Pesch und in der heutigen Episode spreche ich mit Christian Binder, dem Gründer von FinStep. Christian hat es nach seinem Masterabschluss an der Universität Lüneburg nach Hamburg gezogen. Und dort arbeitete er unter anderem bei einer Investmentfirma und bei einer auf Gen Z Influencer spezialisierten Marketingagentur.
[0:33] 2022 hat er mit FinStep sein eigenes Startup gegründet. FinStep ist ein Fintech-Startup, das sich darauf spezialisiert hat, Jugendlichen finanzielle Grundkenntnisse zu vermitteln und sie auf ihrem Weg zu finanzieller Selbstbestimmung zu begleiten. FinStep bietet dafür in ihrer App Lernvideos, Gamification-Elemente und nützliche
Was ist finanzielle Bildung?
[0:52] Tools an, um Teenager auf unterhaltsame Weise fit für den Umgang mit Geld zu machen. In der heutigen Folge möchte ich mit Christian darüber sprechen, was finanzielle Bildung überhaupt ist, wo wir in Deutschland beim Thema finanzielle Bildung stehen, inwiefern klassische Finanzinstitute Jugendliche auf diesem Weg begleiten können und was ihn letztendlich dazu bewegt hat, FinStep zu gründen. Christian, es freut mich sehr, dich heute bei uns im Podcast begrüßen zu dürfen. Hi Madita, vielen Dank, dass ich da sein darf. Christian, wir haben uns einiges vorgenommen. Ein paar Fragen hier auf unserer Liste stehen. Und ja, finanzielle Bildung, ich habe es jetzt im Intro schon ein paar Mal angesprochen gehabt, bevor wir da jetzt mal tiefer eintauchen. Was ist denn überhaupt finanzielle Bildung?
[1:37] Ui, das ist ein sehr weit gefasster Begriff. Ich kann vielleicht mal sagen, was finanzielle Bildung in unserem Kontext bedeutet. Ich denke, dass sich jeder Mensch in jeglicher Lebensphase mit dem Thema Finanzen und damit halt auch mit Finanzbildung beschäftigt. Wir fokussieren uns jetzt selber sehr stark auf finanzielle Grundlagenbildung, so nennen wir das. Wir haben jetzt vor allem eine jugendliche Zielgruppe, die ist so 14 bis 18 Jahre alt und ich sag das
immer so ein bisschen lapidar, unser durchschnittlicher User ist 16 Jahre alt und möchte sich eine Playstation 5 kaufen nächstes Jahr.
[2:13] Und entsprechend bringen wir ihm bei, hey, schau doch mal in deinen Kleiderschrank, wenn du da Sachen hast, die du nicht mehr brauchst, kannst du die auf dem Flohmarkt verkaufen und wenn du Geld dazu verdienen kannst, kannst du dir einen Ferienjob holen, so sieht eine Bewerbung aus, so funktionieren Steuern, so finanzierst du eine Ausbildung, so bietest du dir vielleicht irgendwann mal eine Wohnung. Also, in unserem Fall ist Finanzbildung noch nicht mal so das, was man streng jetzt auch so mit Menschen versteht, die jetzt aus dem Finanzkontext kommen, wo es dann um die sehr starke Investition oder sowas geht, sondern wir möchten eigentlich vor allem zu mündigen, erwachsenen Menschen erziehen und da in dem Bereich helfen. Weil vielleicht würde ich das einmal so sagen, Finanzbildung hat bei uns vor allem den Anspruch, jeder Mensch umgibt sich ja ständig mit Finanzen und da geht es halt nicht immer nur um das richtige Depot oder das richtige Portfolio, sondern Geld gehört ja einfach ganz normal zum Alltag dazu und da einen mündigen Umgang damit zu gestalten, das sehen wir im Endeffekt in unserem Lehrauftrag. Das ist das, was wir als Finanzbildungsvermittlung erachten.
Bedeutung von finanzieller Bildung
[3:20] Was geht denn da aus deiner Sicht noch mit einher? Also du hast gesagt, mündige Erwachsene oder Jugendliche zu schaffen.
Wichtigkeit der finanziellen Bildung für Jugendliche
[3:27] Was sind denn vielleicht noch weitere Aspekte, die du siehst, warum eben finanzielle Bildung so wichtig ist und insbesondere auch für Jugendliche? Also ganz klar halt eben, weil Geld, da wir uns auf Geld geeinigt haben, als Mittel der Wahl, um Geschäfte abzuwickeln, beschäftigt uns das, In jeglicher Lebensrealität. Und das merken wir eben ganz stark, egal welchen Lebensweg ein Mensch einschlagen möchte. Wir reden da mit Ansage nicht immer nur von den Jugendlichen, die wir quasi darauf vorbereiten, ihr Leben auf Yachten vor Monaco zu verbringen, sondern egal welche Lebensrealität man sich vorstellt, man wird immer einen Umgang mit Geld haben. Man wird sich immer in einem System bewegen, in dem Geld eine Rolle spielt.
[4:14] Und wenn man dort weitere Kompetenzen erlernt hat, prägt das einem mehr in die Situation, mehr in die Möglichkeit, wirklich auch das Leben zu leben, das man leben möchte. Und auch da nochmal, wie gesagt, jeder Mensch hat eigene Lebensvorstellungen. In der Erreichung jeder individuellen Lebensvorstellung wird Geld eine Rolle spielen. Je besser ich mit Geld umgehen kann, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich wirklich die Lebensrealität erreiche, die ich mir für mich selber wünsche. Einfach gesagt, ist mal angenommen, hypothetisch, ich möchte gerne Straßenmusiker werden. Komplett fein, weil ich meine künstlerische Ader ausleben möchte. Das werde ich wahrscheinlich nicht machen, wenn ich mich mit 18 mit einem hohen Konsumentenkredit verschulde, der in der Rückzahlung mich in die Situation bringt, dass ich eben keine Freiheit mehr in der Ausgestaltung meiner Lebensrealität habe, sondern der mich dazu bringt, den nächstmöglichen Job anzunehmen, der irgendwie für Einkommen sorgt, weil ich diesen Kredit bedienen muss. Und plötzlich bin ich nicht mehr frei in meiner Lebensgestaltung, sondern einfach durch einen unmündigen Umgang mit Geld bin ich plötzlich ziemlich gefangen in einer Realität, auf die ich selber gar keine Lust hatte. Ja, also insofern auch ein Grad Lebensfreiheit.
[5:21] Definitiv, ja. Also Selbstbestimmtheit ist immer so das Wort, das wir dafür verwenden. Wer die Macht über seine Finanzen hat, kann einfach sein Leben gestalten, wie er möchte. Was
würdest du denn sagen, wie früh soll man dann mit finanzieller Bildung schon anfangen? Also in der Schule oder schon davor? Ich weiß nicht, was würdest du da sagen? Was ist dann gut da? Guter Anfang. Ja, also erstmal ist es mir da mal so wichtig, missionarisch wichtig, auch so dieses Thema Finanzbildung und halt vor allem so dieses Thema Geld, dem nicht so viel Gewicht zu geben. Also ich glaube, es gibt nicht so den richtigen Zeitpunkt. Also auch dieses Thema Finanzbildung ist irgendwie nichts, das irgendwann mal so richtig passiert. Weil nochmal, Geld gehört einfach zur Lebensrealität dazu. Wenn man dem so eine Gravität gibt, dann streckt das eigentlich eher ab, als es einfach so als natürlich zu erachten. Deswegen, ich würde es einfach schon immer, wann es sich anbietet, einfach in den Alltag integrieren. Jetzt sagt man so ein bisschen aus wissenschaftlicher Perspektive, wenn man sich um Wirtschaftspädagogik kümmert, ist das Alter von sieben Jahren ein recht wichtiges Alter, weil sich dort eben bei Heranwachsenden im Kopf so Mengen- und Größenvorstellungen entwickeln. Und man da eben ganz gut dieses Thema, was ist Geld, was ist Werteempfinden, ganz gut abbilden kann.
[6:41] Aber auch immer, ich meine, jede Lebensphase hat andere Berührungspunkte mit dem Thema Geld. Und das gilt es abzubilden. Also ich würde eigentlich so früh anfangen wie möglich, das aber auch in gar keinem Falle irgendwie als großes Thema behandeln,
Stand der finanziellen Bildung in Deutschland
[6:55] sondern ich bin immer froh, wenn das so beiläufig wie möglich einfach passieren kann. Was würdest du denn sagen, Christian, wo stehen wir denn heute in Deutschland beim Thema finanzielle Bildung? Sind wir da schon auf einem guten Weg? Also sind unsere Jugendlichen da schon ganz gut ausgestattet mit Wissen oder haben wir da noch einiges zu tun, einiges zu gehen? Also ich glaube, wir haben da tatsächlich einiges zu tun. Wenn man in Studien glaubt, sei es auch nochmal im Rahmen der erweiterten PISA-Studie, aber auch irgendwie sonstige Studien, die erstellt werden, sieht jetzt die Kompetenz bei Jugendlichen nicht allzu gut aus und auch dort bekleckert sich Deutschland definitiv nicht mit Ruhm, auch im Vergleich zu anderen Ländern, da sind wir...
[7:40] Definitiv nicht Vorreiter. Gleichzeitig wünschen sich 93 Prozent der Jugendlichen mehr Finanzkompetenz. Also sowohl der Wunsch nach mehr Finanzkompetenz ist definitiv da, weil das den Jugendlichen ja auffällt, dass sie gerne besser auf ihre Zukunft vorbereitet werden. Und wenn man eben die Studien anguckt, ist die Finanzkompetenz definitiv nicht da, wo sie sein sollte. Also wir haben da noch einiges zu tun. Und das ist ja auch eine Sache, die man auch immer im Zeitverlauf angucken muss. Also im Kontext werden wir immer die Situation haben, dass wir uns mehr darum kümmern müssen, weil sich einfach die finanzielle Umgebung massiv ändert. Wir Jugendlichen vor 30 Jahren hat man noch andere Sachen beibringen müssen als Jugendlichen heute, weil einfach die Trends andere sind. Und zum Beispiel hat man jetzt vor 20, 30 Jahren in der Finanzkompetenzverbreitung dieses Thema Microtransactions nicht behandeln müssen. Das ist eine Sache, die heute passiert.
[8:37] Dafür gibt es aber auch in zehn Jahren wieder Sachen, an die man heute noch gar nicht denkt. Also da ist es schon einfach herausfordernd, dieses Thema Bildung immer auf den aktuellsten Stand zu halten. Und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, der dazu führt, weshalb wir manchmal im Überzeitverlauf gesehen immer wieder abgeschlagen sind und da einfach Phasen gibt, wo die Finanzbildung schlechter ausgeprägt ist als wann anders. Kurz eingehakt, Microtransaction, was meinst du genau damit? Das sind halt vor allem in, also sieht man zum Beispiel viel in Apps, in Mobile Games, dass eben Kleinsttransaktionen ausgelöst werden, wo man halt zum Beispiel sagt, für jetzt eine schnelle Transaktion von 99 Cent kannst du dir jetzt in deinem Lieblings-Online-Spiel einen neuen Charakter freischalten oder irgendwie ein neues Outfit für deinen Charakter. Und das sind so Sachen, die sind erstmal super kleine
Transaktionen. Das heißt, gerade Menschen mit jetzt keiner hohen Sensitivität auf Finanzen bezogen, nehmen das nicht wirklich als Transaktion wahr.
[9:32] Gleichzeitig werden diese Sachen dann auch gerne nochmal in sehr starke Gamification reingepackt, die so ein bisschen Glücksspiel-ähnlich auch sein kann, dass es sich nicht wirklich so anfühlt, als wäre das jetzt hier gerade eine Ausgabe. Und das ist halt natürlich schwierig für auch gerade Jugendliche, das wirklich einzuschätzen. Als du das gerade gesagt hattest, dass wir da wirklich noch nicht so weit sind, da ist mir dieses, ich weiß nicht, ob du das auch kennst, so ein Zitat in den Kopf gekommen. Ich kann eine Gedichtsanalyse in fünf Sprachen, aber habe irgendwie keine Ahnung, wie ich eine Steuererklärung machen soll oder so. Ich glaube, das hatte mal eine Abiturientin oder so gesagt.
Herausforderungen der Finanzbildung
[10:05] Ja. Und das ist dann, glaube ich, auch relativ viral gegangen, weil….
[10:08] Zeigt, glaube ich, ganz gut, dass so bestimmte Fähigkeiten da vielleicht beigebracht werden, wohingegen elementare andere auf der Strecke bleiben. Das ist ein sehr gern benutztes Zitat und das ist natürlich auch bei uns so im Repertoire mit drin, sagt auch vieles. Vieles supporte ich auch davon, weil definitiv, also ich würde auf jeden Fall sagen, die Jugend wird nicht ausreichend aufs Leben vorbereitet. Und ich meine, und darum geht es am Ende des Tages. Es geht auch nicht mal darum, jetzt Finanzkompetenz zu vermitteln, sondern es geht darum, aufs Leben vorzubereiten. Das ist auch das, was die Jugendlichen wollen. Die denken sich halt, größte Sorge ist halt, wie soll ich jemals eine Wohnung mieten? Wie soll das funktionieren? Ich weiß nicht, wie ein Vertrag funktioniert? Was ist das? Also eigentlich ist die große Sorge, einfach nicht bereit zu sein fürs Leben und da bereiten wir definitiv nicht genug vor. Und ich glaube, dass auch dieser Schmerz, der transportiert wird in diesem Zitat.
Gleichzeitig möchte ich da auch so ein bisschen das Schulsystem aber auch in Schutz nehmen, weil gerne in der Diskussion zu viel Druck oder zu viel Verantwortung auf die Seite der Schulen als akademische Lehranstalt geschoben wird, die natürlich eine Wissensvermittlung darstellen muss, aber die, glaube ich, manchmal auch ein bisschen unschön in die Verantwortung genommen wird für ein gesellschaftliches Problem, wo wir alle mit anpacken müssen.
Deswegen bin ich da einschränkend sehr einverstanden mit dem Zitat. Ja, genau. Das wollte ich auch gar nicht weiter vertiefen. Es passt jetzt eigentlich ganz gut, ein wunderbarer Übergang dazu.
FinStep: Konzept und Ziele
[11:37] Was macht ihr denn jetzt konkret, Christian? Was macht FinStep? Wo setzt ihr da an und wie wollt ihr Jugendlichen genau helfen? Also im Kern des Ganzen helfen wir tatsächlich einfach Banken, ihre jugendlichen Nutzer von sich zu begeistern. Und das läuft eben im Kontext der Finanzkompetenzvermittlung. Also wir haben eine App entwickelt, die eine digitale Plattform für verschiedene Sachen darstellt. Alles eben im Kontext Finanzkompetenz. In dieser App, die ist zweigeteilt, sie soll Theorie als auch Praxis abdecken. Im theoretischen Bereich bekommt man in animierten Kurzvideos, die von uns aufbereitet werden, eben genau Informationen zu diesen Themen, was ich vorhin angesprochen hatte. Wie bereite ich mich eigentlich aufs Leben vor? Wie finanziere ich meine Ausbildung? Sonstiges. Durch die Interaktion mit diesen Lerninhalten sammle ich Punkte. Die Punkte kann ich gegen Belohnungen eintauschen, die entweder für die App gelten, wie zum Beispiel neue Avatare oder sonstige Goodies, aber eben auch Belohnungen in der echten Welt sein können, wie Gutscheine. Also wir setzen sehr stark auf Gamification als Anreiz, um sich mit Finanzkompetenz zu beschäftigen. Und gleichzeitig haben wir auch eben praktische Tools, wie wir haben einen Ausgabetracker entwickelt, in dem Jugendliche gucken können, wofür sie eigentlich ihr Geld ausgeben, wie happy sie damit sind
oder eben auch eine Sparzielverfolger, wo sie Sparziele anlegen können und gucken können, wann haben sie das erreicht, welche Sparrate sollten sie haben.
[12:59] Und das ist im Endeffekt die digitale Basis, die wir bieten. Und das wiederum stellen wir einzelnen Banken zur Verfügung, um das einfach zu adaptieren, als White Label zu erweitern und ihre eigenen Lerninhalte zu transportieren. Weil zum Beispiel, also das ist dieses Thema, viele Banken kriegen ihre eigenen Mehrwerte nicht gut kommuniziert und genau da können wir helfen, indem wir zum Beispiel Lernangebote für einzelne Banken erstellen, was das eigene Haus eigentlich kann. Oder aber eben auch die Gutscheinaktionen der jeweiligen Bank in unsere Gamification
Zusammenarbeit mit Banken
[13:31] Engine einzubinden oder eben auch so Nachrichten zu platzieren. Also wir wollen einfach Berührungspunkte schaffen zwischen den jugendlichen Kunden und ihrem heimischen Institut. Okay, aber das heißt, es ist immer die Verbindung mit der Bank da. Also es ist jetzt nicht so, dass jetzt, ich sag mal, Lisa, 14 Jahre, möchte sich jetzt irgendwie über Finanzen informieren, lädt sich jetzt die App runter und ist jetzt erstmal unabhängig von ihrer Bank bei euch, sondern es ist schon so, dass es immer in Kooperation über eine Bank funktioniert, oder? Das habe ich noch nicht ganz verstanden. Genau. Nein, Lisa, 14, kann sich super gerne unsere App runterladen und kann die auch benutzen und wird da auch alles Grundlagenwissen bekommen, was sie braucht. Also das ist auch unser Anspruch, das ist eine frei zugängliche App.
[14:18] Lisa, perfektes Beispiel, kann das super benutzen. Wenn sie aber gerne weitere Inhalte freischalten möchte, die zum Beispiel an ihre regionale Bank gebunden sind oder eben weitere Gutscheine freischalten möchte, dann kann sie eben gucken, ob ihre Bank bei uns schon ein Partnerinstitut ist. Und dann kann sie einfach sagen, hey, ich gehöre übrigens zu Bank XY. Wenn das eine Partnerbank ist von uns, dann werden einfach Inhalte individualisiert und erweitert. Aber wir haben jetzt schon knapp 15.000 NutzerInnen, die das freie Angebot nutzen, die keiner Bank zugeordnet sind. Gut, du hattest ja gesagt, Zielgruppe ist so von 14 bis 18 Jahren, wenn ich es richtig im Kopf habe, also überwiegend auch minderjährige NutzerInnen.
Sicherheit und Datenschutz in der App
[15:06] Wie stellt ihr denn sicher, dass das in eurer App alles, ich sag mal, ein Safe Space ist, dass da nichts passieren kann, nicht auf einmal jemand, weiß ich nicht, sich ein Ferrari kauft, obwohl da nicht das Geld für das, ich weiß nicht, also dass das alles irgendwie im guten Rahmen abläuft? Ja, absolut prächtiger Gedanke. Also ich meine, das war für uns von vornherein einfach klar, dass wir am Ende ein Produkt für Minderjährige anbieten, was eine absolut besonders schützenswerte Gruppe ist. Und das ist von vornherein einfach bei uns in den Firmenwerten so enthalten gewesen, dass wir uns bei allem, was wir machen, auch immer das vor Augen halten. Worin hat das auch geführt im praktischen Sinne? Man kann zum Beispiel die App auch benutzen, ohne sich in irgendeiner Form ein Konto anzulegen, in der es eine komplett anonyme Nutzung des Angebotes ist, also sowohl kostenfrei als auch anonym.
[16:02] Dann achten wir in der Informationsvermittlung sehr stark darauf, einen hohen qualitativen Ansatz zu haben. Das ist auch einer der Gründe, weshalb wir froh sind, nicht primär mit unseren Bildungsinhalten auf Social Media stattzufinden, weil wir müssen keinem Algorithmus folgen, um Reichweite zu erzielen, wo man mal Abstriche macht, weil man vielleicht Sachen machen möchte, die ein bisschen reißerischer, aufmerksamster, relevanter sind, sondern wir können einfach unsere eigene Plattform benutzen und darüber einfach eine hohe Qualität vermitteln und sagen zum Beispiel auch in der Art und Weise der
Informationsvermittlung, Wir wollen nie Meinungen transportieren, sondern immer neutrale Informationen. Wir haben zum Beispiel Kurse gemacht über, was sind jetzt Unterschiede zwischen einem Beamtenstatus zu einer Selbstständigkeit, zu einem Angestelltenverhältnis und da aber halt nicht eine Rolle einzunehmen. Keine Ahnung, wenn du was aus dir machen willst, dann werde auf jeden Fall selbstständig oder sowas. Sondern versuchen dort einfach wirklich die Informationen zu verbreiten, weil am Ende des Tages, das gehört ja zu einer Meinungsbildung dazu, Informationen zu erhalten. Und die Meinungsbildung ist ja dann auch immer individuell und muss auf der Seite der Jugendlichen erfolgen.
[17:11] Und noch viele weitere Beispiele, wo wir halt einfach gucken, wir wissen, wir haben ein Angebot für Minderjährige bei jeder Entscheidung, die wir für das Produkt und für die Firma fällen, ist einfach das Thema, können wir die vertreten? Wir selber sehen uns als die älteren Geschwister unserer NutzerInnen und möchten auch einfach aus der Perspektive immer mit einem zufrieden sein, was wir machen. Ja, ein schönes Bild. Genau, Christian, du hast gerade schon gesagt, ihr nutzt auch viel Gamification.
[17:38] Magst du da vielleicht noch so ein, zwei Beispiele nennen, wie das dann genau aussieht, wie man sich das so vorstellen kann? Auf jeden Fall, klar. Warum auch Gamification oder vielleicht auch da nochmal für alle, die halt auch Interesse haben, Finanzkompetenz zu vermitteln. Das Ding ist, obwohl alle Jugendlichen wissen, dass Finanzkompetenz wichtig ist, vor allem um die eigenen Lebensziele zu erreichen, hat es halt nie einen Selbstzweck. Und das ist manchmal schwierig, gerade so für Ältere aus der Branche, die halt auch schon ein bisschen weiser sind und halt gerne das Argument bringen, es ist ja aber super wichtig, Finanzwissen zu haben, weil man dadurch sein Leben besser gestaltet. Und das soll schon Grund genug sein, sich damit zu beschäftigen, weil man ja weiß, wie wichtig es ist. Dieser Selbstzweck wird von Jugendlichen einfach nicht verstanden und auch nicht gesehen. Und das ist auch völlig nachvollziehbar. Am Ende des Tages hat keiner intrinsisch Lust, sich mit Finanzkompetenz zu beschäftigen. Es sei denn, es drückt irgendwelche Knöpfe, wo man was davon hat.
[18:39] Und das ist halt zum Beispiel ganz stark bei uns, das würde ich jetzt mal ganz grob in den Bereich Gamification mit einbauen oder halt, ich würde es eigentlich eher so in den Rahmen setzen, so warum, wie kriegt man Leute dazu, sich mit Finanzbildung zu beschäftigen? Man muss halt einen Mehrwert transportieren. So warum sind Vergleichsinhalte auf Websites das erfolgreichste? Einfach, weil sie einen direkten Mehrwert generieren. Nochmal, unsere User, die haben alle Ziele und jetzt polemisch gesehen, die wollen nächstes Jahr in Urlaub, die wollen ihre Playstation und wir wollen denen Wissen vermitteln, wodurch sie genau dieses Ziel erreichen. Also sie haben kurzfristig etwas davon, das ist Teil der Gamification.
[19:12] Aber jetzt mal so ganz klassische Gamification machen wir eben Sachen, die man von anderen Apps kennt, wie jetzt Duolingo als Beispiel, wo man eben durch absolvierte Kurse, durch absolvierte Einheiten, die werden auch immer so durch Quizzes aufgebrochen und sowas, verdient man eben Punkte, das sind Finsterpunkte. Und wenn man genug von denen angesammelt hat, kann man die eben in einem eigenen In-App-Shop wieder gegen Belohnungen eintauschen. Weil man vergisst auch, das ist glaube ich so ein weiteres Thema, was ich in der Branche feststelle, gerade die Finanzbranche versucht immer auf rationalem Wege Produkte für ihre Zielgruppe zu entwickeln und vergisst dabei völlig, dass natürlich Menschen, die sich für die Finanzbranche entschieden haben, da zu arbeiten, wahrscheinlich überdurchschnittlich rational und analytisch sind von ihrer Denkweise.
Einsatz von Gamification
[19:57] Was vielleicht nicht unbedingt das Psychogramm ihrer Nutzer widerspiegelt. Und da ist halt zum Beispiel Gamification eine der Sachen, die eher so von einer emotionaleren Seite hilft, die Zielgruppe zu unterstützen. Oder anders gesagt, wir haben viel Schülerpraktikantinnen
immer bei uns. Ein Beispiel, da haben wir Straßenumfragen gemacht. Hier in Hamburg haben wir für TikTok-Videos Straßenumfragen gefilmt. Da haben wir Leute auf der Straße für Finanzfragen gestellt. Wenn die fünf richtig beantwortet haben, haben sie fünf Euro gekriegt. Und wenn sie nicht alle fünf richtig hatten, haben sie einen Trostpreis bekommen. Und zwar so einen kleinen Cookie von einem amerikanischen Süßigkeitenladen mit einem Gegenwert von 80 Cent. Jonathan hat das mitbegleitet, damals Schülerpraktikant bei uns.
[20:40] Und wir sind gerade so in einem Setup in der Vorbereitung für die Straßeninterviews und Jonathan guckt mich an und sagt, hey Christian, sag mal, ich verstehe das jetzt gerade nicht. Ich hätte gar keine Lust, die fünf Fragen richtig zu beantworten. Und dann meinte er, wieso denn nicht? Ja, der Cookie ist doch viel geiler als die fünf Euro. und das finde ich ist immer ein ganz guter Reality-Check, weil das trifft auch viele Situationen zu, die man nicht so auf dem Schirm hat, so richtig, dass User einfach nicht immer so ticken, wie man sich selber aus einer rationalen Brille vorstellt. Und da kann halt eben Gamification helfen, Anreize zu setzen.
Du hast gerade gesagt, es gibt dann Belohnungen, was kann ich mir da vorstellen? Also was gibt es da für Belohnungen? Also Klassiker zum Beispiel, man kann bei uns so eine Streak sammeln, also das bedeutet, wenn ich mich mehrere Tage in Folge einlogge, dann wächst so ein Counter, der mir anzeigt, wie lange ich da gewesen bin. Da auch nochmal so ein Beispiel, wo es eben sehr gut funktioniert.
[21:32] Snapchat hat das auch, in denen Leute so stark eine Streak sammeln, dass sie selbst im Bekanntenkreis schon, Fälle hatte, wo jemand den Kundensupport angerufen hat, weil er einen Tag vergessen hat, Snapchat zu benutzen, hat er Kundensupport angerufen und hat gesagt, scheiße, bitte, könnt ihr könnt ihr bitte mal das Freak resetten? Weil das ist so ein Thema. Da kann man so bei uns im Shop dann kaufen, dass man zum Beispiel drei Tage die Freak einfrieren kann, wenn man weiß, man kann die nächsten drei Tage die App nicht benutzen oder so. Dann kann man neue, also woran ist jetzt bald freischalten, dass man kann neue Avatare freischalten. Was wir ansonsten haben, es gibt so ein Lebenssystem, man kann nur so und so viele Fragen falsch beantworten. Dann kann man sich ein neues Leben kaufen. All solche Sachen, ja.
[22:17] Und das sind eben die In-App-Belohnungen. Und dann kann man sich aber eben noch Real-Life-Belohnungen freischalten. Das sind einfach ganz klassisch Gutscheine. Christian, als ich mich angefangen habe, mit euch zu beschäftigen, habe ich mir so gedacht, coole Sache, was ihr da macht. Aber gibt es da nicht auch schon weitere Player am Markt? Wenn ja, was würdest du sagen, zeichnet euch denn im Vergleich zu Wettbewerbern aus? Also wir haben definitiv nicht das Rad neu erfunden. Das kann man sagen. Also die Finanzbildung, es gibt sehr viele Bildungsangebote, auch frei verfügbare Bildungsangebote da draußen, wo wir aber der Meinung sind, ein sehr gutes Verständnis in der Kommunikation für die Zielgruppe zu haben. Ich glaube, die Art und Weise, wie wir Inhalte aufbereiten, ist sehr gut für unsere Zielgruppe. Da haben wir einen guten Zugang dazu. Das Thema über Gamification Lerninhalte zu promoten, sind wir auch definitiv nicht die Ersten. Das macht ja wie gesagt auch Duolingo sehr erfolgreich im Sprachlernbereich. Ich habe jetzt da kein direktes Beispiel, der das im Finanzlernbereich so konsequent durchzieht.
[23:25] Und eben Jugendlichen, jugendliche weitere Tools zu geben für Finanzthemen gibt es auch hier und dort mal. Aber das so bankenunabhängig zu gestalten, das gibt ja zum Beispiel eine Jugendkonten auch. Aber die Tatsache, dass wir das eben bankenunabhängig machen und das eben als Plattform jeder Bank zur Verfügung stellen, das sehe ich zumindest im deutschsprachigen Raum nicht. Also wir haben nicht das Gefühl, einen direkten, direkten Wettbewerber zu haben. Also was Informationsvermittlung anbelangt, gibt es weitere Quellen, wie zum Beispiel Finfluencer. Die Familie wird super gerne genommen für Wissensvermittlung, die Schule, Freundeskreis, Bekanntenkreis. Auch dort sehen wir uns aber auch einfach nur als Teil der Lösung, weil ich bin happy, wenn es viele Quellen für Finanzkompetenz gibt, weil ich bin
nicht der Meinung, dass wir die einzige Lösung da sind, sollte von mehreren Schultern getragen werden. Also da sind wir nicht alleine und was eben digitale Angebote für Jugendliche im Finanzbereich anbelangt, gibt es auch gute Lösungen, die teilweise von einzelnen Banken entwickelt werden. Dann in dem Umfang aber, dass wir das einfach wirklich allen Banken zur Verfügung stellen, sehen wir da niemanden direkten zu uns.
Vergleich zu anderen Finanzbildungsdiensten
[24:38] Ja, du hast es gerade schon so ein bisschen angeteasert. Ich würde jetzt gerne nochmal den Blick am Ende auf das Thema Banken, also klassische Finanzinstitute, da einmal den Blick drauf werfen. Was würdest du denn sagen, inwiefern liefern klassische Finanzinstitute so im Schnitt jetzt schon Ansatzpunkte für finanzielle Bildung von Jugendlichen? Wo würdest du sagen, ist da insbesondere noch Verbesserungspotenzial?
Verbesserungspotenzial für klassische Finanzinstitute
[25:02] Ich meine, was man schon einfach sagen muss, auch gerade bei deutschen Banken, auch gerade bei regionaleren Instituten, war das Thema Finanzkompetenzvermittlung schon immer ein Thema, so wie ich es mitbekommen habe, das relevant war. Da passiert ja auch recht viel, teilweise von Institut zu Institut unterschiedlich, dass zum Beispiel mal an Schulen gegangen wird, dass es einen Weltspartag gibt, dass man eben dort den Austausch sucht oder versucht, das Wissen zu vermitteln. Also das ist schon einfach immer eine Sache, glaube ich, die in der DNA vieler Banken auch einfach drin war und wo auch teilweise oder überwiegend auch ein guter Job gemacht wird. Ich glaube, wo halt aber der Unterschied ist, ist nochmal das wirklich auch in den natürlichen Umgang, in die Kundenbeziehungen zwischen Jugendlichen und Bank einzubauen. Aber es ist halt ein Unterschied, ob man als Bank mal in die Schule geht und dort halt erzählt, hey, wir sind übrigens die von der Bank, wir kennen uns mit Geld aus, deswegen sagen wir dir hier mal, wie es funktioniert.
[25:58] Oder aber es ist aber wirklich Teil der Kundenbeziehung. Und ich meine, das ist im Endeffekt genau das, was wir mit den Banken gemeinsam erreichen möchten. Am Ende des Tages, das Girokonto, was ja das Ankerprodukt ist für die meisten Institute, ist ja ein super gesichtsloses, austauschbares Tool, vor allem für Jugendliche, die gar nicht mehr den Bezug haben zu ihrem Konto, dass das irgendwo ist, wo, keine Ahnung, ihr Geld was macht, was irgendwie Einlagen, Kreditgeschäft, sonstiges, sondern für die ist ja das Girokonto einfach nur eine Bezahlungsermöglichung. Dass halt einfach, ich habe hier irgendwas, dann habe ich eine Karte und damit kann ich online shoppen oder ich kann damit einkaufen gehen. So, das ist das, was ich will, aber das macht ja jedes Jurokonto zu jedem anderen eben sehr austauschbar.
[26:39] Und das merken Banken ja vor allem dann, wenn sie plötzlich eine Gegenleistung erwarten und zwar Kosten verhängen für ihre Konten. Und dann haben halt bis dahin die Jugendlichen den Mehrwert nicht gesehen. Und wir sind halt der Meinung, Finanzkompetenz kann halt absolut ein Mehrwert sein, der wahrgenommen werden kann für Jugendliche. Und ich glaube, da könnten Banken noch mehr machen, das wirklich in ihre Kundenbeziehungen einzubauen. Also nicht nur hin und wieder mal eine kleine Informationsveranstaltung machen, sondern wir sehen es halt wirklich als einen Austausch, eine Basis, die Berührungspunkte schafft. Und dadurch kann halt ein werthaltiges Angebot gebaut werden für Banken,
Ansprache von Jugendlichen durch Banken
[27:16] die denen hilft, ihre Jugendlichen nicht zu verlieren. Und wenn man mal weiterdenkt und die Jugendlichen vielleicht noch gar nicht bei Bank X sind, sondern die Bank eben auch gerade
jugendliche Neukunden gewinnen möchte, was würdest du denn da sagen, wo sollten Banken da in der Ansprache darauf achten? Also wie erreicht man Jugendliche am besten? Wie muss man sie ansprechen? Auf Augenhöhe wäre meine erste Reaktion. Ich glaube, das ist eine Sache, die sich massiv gewandelt hat, wenn man auch irgendwie mal anguckt, wie ist mittlerweile allgemein in der heutigen Zeit das Verhältnis zwischen Marke und Kunde in allerlei Belangen. Wir sehen überall, dass Personal Brands viel stärker werden. Wir haben viel mehr Interesse an den Menschen hinter der Marke. Man ist nicht mehr eingeschüchtert, zu einem Institut zu gehen und zu sagen, oh je, ich darf jetzt hier.
[28:05] Bei Institut XY hingehen und sowas, sondern es ist sehr persönlicher geworden. Man ist es nicht mehr gewohnt, unterwürfig sein zu müssen, so blöd das jetzt klingt. Und ich glaube, lange Zeit war das anders. Man möchte jetzt einfach von Mensch zu Mensch sprechen und nicht von Mensch zu Marke. Und ich glaube, das wollen auch vor allem Jugendliche, weil man vergisst, wie weit auch einfach Jugendliche sind. Die machen sich, natürlich, die haben noch ein paar Jahre vor sich und noch ein paar Entwicklungsschritte. Die machen sich schon relevante Gedanken über ihr Leben und die möchten eben nicht von oben herab betrachtet werden. Oder ich glaube, möchten Kunden generell nicht und mittlerweile noch weniger als früher.
[28:50] Deswegen Augenhöhe ist wichtig. Jugendliche sind tatsächlich Menschen. Man kann mit denen sprechen. Die haben Fragen und darauf haben sie gerne Antworten. Und Berührungspunkte sind wichtig. Nicht zu unterschätzen ist der persönliche Kontakt. Auch das wird zum Beispiel gerne gesagt. Ich bin großer Freund von Digitalisierung. Das ist das, was wir machen. Aber halt auch einfach nur Umberührungspunkte zu schaffen, die wieder auch in einen persönlichen Kontakt münden. Also auch das nochmal gerne als Institut durchdenken. Wie kann ich meinen persönlichen Kontakt auch so umgestalten, dass er attraktiver wird für meine junge Zielgruppe? Und da würde ich halt wirklich sagen, was einen guten Kundenkontakt von einem schlechten unterscheidet aktuellen Instituten ist, wie gut kann ich eine Augenhöhe erzeugen.
Wenn ich merke, mein Bankberater, meine Bankberaterin ist durch so eine Coolness-Schulung durchgegangen, um jetzt einmal hip mit mir zu sprechen, dann hilft das auch nicht, sondern ich glaube, wenn man sich einfach wirklich vor Augen hält.
[29:49] Hey, wir wissen alle, warum ich jetzt und gleichzeitig hat man auch nicht Lust, den alten Gang nach Canossa anzutreten, um beim eigenen Institut einmal vorstellig zu werden, um zu gucken, was ist denn jetzt hier deine Altersvorsorgeplanung oder sowas und dann wartet man lange in der großen Eingangshalle und muss sich ein bisschen ehrfürchtig fühlen, dass man jetzt eingeladen wurde, sondern wenn man halt einfach natürliche Konversationen hinkriegt zwischen Kunde und Institut. Ich glaube, dort ist irgendwo der goldene Schlüssel vergraben.
Und sehe ich auch wieder, auch auf der anderen Seite, wenn man auch über jetzt die neue Generation an Fachkräften spricht, die ja auch im eigenen Institut
Persönlicher Kontakt als Schlüssel
[30:26] arbeiten, ich glaube, das ist auch der Modus operandi, auf den Mitarbeitende auch Bock haben. Dass es eben nicht, dass man keine Rolle spielt, also dass man keine Maske trägt, nur weil man jetzt gerade die acht Stunden Arbeitstag hat, sondern man ist immer noch einfach Mensch. Man hat Interesse daran, anderen Menschen was Gutes zu tun, Fragen zu beantworten und da ein normales Gespräch zu führen. Also da würde ich Instituten dazu raten, sehr stark in die Richtung zu denken. Ich habe mir gerade, als du es meintest, durch eine cooles Schulung gehen, gerade mal so vorgestellt, wenn da so ein Bankberater dann so mit Jugendwörtern um sich wirft, so cringe und weiß ich nicht was.
[31:04] Ja, lustige Vorstellung. Wenn das natürlich kommt, ist es super cool. Aber ich würde auch behaupten, Jugendliche haben keinen Stress damit, wenn der Bankberater oder Bankberaterin aus einer anderen Zeit kommt. Weil das ja auch, also nochmal, wir sind alles
Menschen und das sind auch alles Menschen und die können auch nachdenken. Und denen ist auch schon klar, ich zum Beispiel, ich bin jetzt 29 Jahre alt, ich würde jetzt auch nicht mehr so tun, als wäre ich jetzt mit unseren 16-jährigen Kundinnen irgendwie auf exakt einer Wellenlänge und wüsste genau, was bei denen jetzt gerade Phase ist. Ich beschäftige mich viel mit denen.
Aber auch im Dialog mit denen ist immer ganz klar, hey, wir reden von Mensch zu Mensch zueinander und die haben Verständnis dafür, dass ich die entscheidenden 13 Jahre älter bin als die und deswegen ein paar Sachen von denen nicht so checke und umgekehrt auch. Aber wir haben halt einfach ein normales Gespräch. Und deswegen, wenn sich was authentisch anfühlt, ist es immer ein gutes Zeichen, glaube ich. Christian, letzte Frage. Da nochmal einmal den Blick auf euch gerichtet. Was ist deine Version für FinStep so mit Blick in die nächsten zehn Jahre?
Zehn Jahre ist eine lange Zeit. Ja, oder du kannst dir einen Zeitraum aussuchen. Auf jeden Fall irgendwie in die Zukunft geschaut.
Zukunftsvision von FinStep
[32:18] Nein, logisch. Also ich kann auf jeden Fall sagen, was so ein paar Sachen sind, die uns antreiben. Eine Sache ist es, wir möchten die junge Generation befähigen, ihre Lebensziele zu erreichen. Das ist wirklich eine Sache, die uns stark umtreibt. Eben gerade dieses Thema Selbstbestimmtheit, das eben gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern einfach umzusetzen. Da denke ich eben vor allem an regionale Institute, an Banken. Wir werden, das ist ein starker Motivator, ein Antrieb für FinStep, eben dort weiter mit der deutschen Bankenlandschaft zu wachsen, weil ich der Meinung bin, dass es viele Institute da draußen gibt, die sich sehr viele Gedanken machen, aber diese Gedanken so ein bisschen auf der Strecke bleiben, weil sie nicht entsprechend kommuniziert werden. Das ist eine Sache, dass wir dort eben weiter unterstützen möchten. Wenn du das fragst ganz konkret für FinStep, die Vision für FinStep selber, dann, dass wir einfach noch weiterhin Mehrwerte für Endnutzer schaffen. Also da sprechen wir nochmal über viele Gedanken hinsichtlich, was ist Liquiditätsplanung für Menschen, was ist auch, was ich super interessant finde, ist Lebensphasensimulation für Menschen, wo man sich auch mal so ein bisschen.
[33:29] Denkt, was passiert denn jetzt eigentlich mit meinem Vermögen, wenn ich jetzt den und den Job anfange, wenn ich die und die Ausbildung mache. Wenn man so ein bisschen durchsimulieren kann, dort unser Endkundenerlebnis weiterzuentwickeln, aber dann eben auch ganz das immer im Einklang damit, das eben Banken als Tools zur Verfügung zu stellen, dort einfach wieder die Berührungspunkte zu schaffen. Klingt gut, Christian. Wie gesagt, wir sind am Ende angekommen. Ich danke dir ganz herzlich dafür, dass du heute zu Gast warst und vielen lieben Dank für die ganzen Einblicke, die du uns gegeben hast. Vielen Dank, dass ich da sein durfte. Das hat mir großen Spaß gemacht. Mir auch. Als Fazit bleibt, dass finanzielle Bildung Jugendlichen dabei helfen kann,
Fazit und Bedeutung finanzieller Bildung
[34:10] selbstständiger und unabhängiger zu werden. Und mit der Generation Alpha als Digital Natives eignen sich hierfür insbesondere App-Anwendungen mit Gamification-Elementen, die den Jugendlichen einen spielerischen Umgang mit dem Thema ermöglichen. Auf dem Markt ist grundsätzlich noch viel zu tun und gerade klassische Finanzinstitute können ihren Beitrag hier noch erhöhen und ausbauen. Für weitere Informationen könnt ihr euch gerne an Christian oder mich wenden. Die Kontaktdaten findet ihr wie immer in der Episodenbeschreibung. Und wie ihr wisst, freuen wir uns immer über eure Meinungen zu dem Thema, gerne per Mail oder Social Media. Und wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert gerne den Podcast, lasst eine Bewertung da und teilt den Podcast in eurem Netzwerk. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Sound of Finance.
[34:57] Music.
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